Anstoß zum großen, bunten Fußballspiel! Guardiola kann die Biologie nicht überwinden, was ihm zum Verhängnis wird. Der Pöhler trägt neuerdings rot, München aber führt eine Ruhrgebietisierungs-Debatte. Der HSV entpuppt sich als Satire-Klub und verpflichtet adäquate Personen. De Brunye ist überall und nirgends, Darmstadt erhält Post von Wagner und Schalke die Kampagne „Geis ist geil“. Was in der 53. Bundesligasaison garantiert alles passieren wird, lest ihr hier.


1. Spieltag

Frankfurt gewinnt 4:0 in Wolfsburg und ist erster Tabellenführer, woraufhin Trainer Armin Veh seinen Rücktritt erklärt. Begründung: „Mehr kann ich hier nicht erreichen.“ Bei der Nachfolgesuche ist Jürgen Klopp rasch der Favorit, ziert sich aber. „Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen“, wird sein Berater in „Bild“ und „Bunte“ zitiert.

2. Spieltag

Klopps Ex Dortmund vergeigt 1:3 bei Aufsteiger Ingolstadt, der Bundes-Jogi erläutert: „Dort hängen schon Au di Trauben hoch!“ Nach zwei Spielen mit null Punkten nähert sich Mats Hummels bereits bedrohlich dem heimischen Kühlschrank.

3. Spieltag

Um den Kader für den Meisterschaftskampf aufzumotzen, unternimmt HSV-Mann Peter Knäbel eine Rucksack-Tour durch Europa. In Spanien wird er fündig. Nach Gregoritsch, Ilicevitsch und Olitsch verspricht sich Knäbel vom osteuropäischen Talent Luka Modritsch entscheidende Impulse. Währenddessen wird Wolfsburgs Kevin De Bruyne (bisherige Bilanz: vier Tore, acht Assists) in Manchester gesehen.

4. Spieltag

Darmstadt bittet zu den Wagner-Festspielen, beim 3:0 in Leverkusen erzielt Stürmer Sandro alle Tore. Eine Blamage für Bayer. „Wer so spielt, hat den Fußball nie geliebt“, analysiert TV-Experte Marcell Jansen.

6. Spieltag

Arturo Vidal fehlt dem FC Bayern gelbgesperrt. Ohne den Chilenen müht sich der Meister zu einem  schmucklosen 5:0 über Wolfsburg, bei dem De Bruyne verhindert ist – private Termine, heißt es.

8. Spieltag

Nach sieben torlosen Remis aus den ersten sieben Spielen endet auch Kölns achte Partie 0:0. Bei Gegner Schalke hat nur Geis Bock.

11. Spieltag

Bayerns Dauersorgenkind Mario Götze erzielt in Frankfurt seine Saisontore 13 bis 15, wird aber nach 88 Minuten ausgetauscht. Ein Frevel. Pep Guardiola gerät unter Beschuss, der Klopp-Clan aber dementiert aufkeimende Gerüchte: „Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen.“ Ach so.

12. Spieltag

Schalke verliert den Revierschlager denkbar knapp mit 0:5 gegen Dortmund. „Vielen Dank für das tolle Erlebnis“, säuselt S04-Coach André Breitenreiter zu seinem Pendant Thomas Tuchel. Schalkes Entscheidungsträger kratzen sich am Kinn: Schon wieder ein Trainer, der nicht Heldt, was er verspricht?

13. Spieltag

Während Lucien Favres Borussia wie quickfidele Fohlen durch die Champions League galoppieren, bringen sie in der Liga nur ein schlaffes 1:1 gegen Hannover zustande. Die Aufmerksamkeit für den Alltag schwindet, das Team bewegt sich auf dünnem Eis. Sozusagen ein Glatt-Bach.

14. Spieltag

Die Premier League wildert beim FC Augsburg: Tobias Werner ist Norwich 47 Millionen Euro wert, für Jan-Inger Callsen-Bracker legt Watford sogar 55 Millionen auf den Tisch. Trainer Markus Weinzierl erkennt unzureichende sportliche Perspektiven und lässt sich von West Bromwich Albion für 63 Millionen aus dem Vertrag kaufen. „Aber unseren Money Bender können die sich abschminken“, poltert BVB-Boss Aki Watzke.

15. Spieltag

Wolfsburg schlägt Dortmund. Im Brennpunkt steht Marco Reus, der wieder nicht nachweisen kann, in großen Partien zu großen Leistungen aufzulaufen. Eine Führungsspieler-Debatte erfasst Reus, der Tenor ist vernichtend: Führer? Schein.

17. Spieltag

Bayern erlebt ein frostiges Fest, nur 12 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Stuttgart könnten Guardiola seine Zukunftsentscheidung abnehmen. Katerstimmung auch in Hamburg, wo Bruno Labbadia seinen Job schon im Herbst verlor. Nach den Absagen von Klopp, Rolf Schafstall und Mutter Lasogga wurde der HSV abwechselnd von Didi Beiersdorfer, Klaus-Michael Kühne, Lotto King Karl und Dino Hermann trainiert. Mit mäßigem Erfolg.


18. Spieltag

Furios startet die Bundesliga ins EM-Jahr, Hoffenheim und Leverkusen trennen sich 4:4. Obwohl Kevin Kuranyi und Stefan Kießling jeweils viermal treffen, ist Bundestrainer Löw zu keiner Stellungnahme bereit. Wenig später gibt Sandro Wagner sein DFB-Debüt.

19. Spieltag

Sieh an: Schalke klettert durch das 2:1 in Darmstadt auf Platz 13. Der Klub initiiert die Kampagne „Geis ist geil“.

20. Spieltag

Schalke schnüffelt weiter am Sieges-Nektar,  nach dem 3:2 gegen Wolfsburg und Rang 10 feuert S04 die nächste PR-Patrone: „Der Geis ist heiß!“

22. Spieltag

Ungeachtet der turmhohen Wellen, die rund um die Säbener Straße schlagen, landet der FC Bayern einen 13:0-Pflichtsieg über Darmstadt. Stoff für die Akten. Viel spannender ist das Phänomen De Bruyne: Obwohl selten vor Ort, rangiert der Wunderknabe mit 41 Torbeteiligungen an der Spitze der Scorerliste. Derweil wartet der 1. FC Köln noch immer auf das erste Saisontor.

24. Spieltag

Leverkusen hat im Winter den jungen Lucas Scholl ausgeliehen. Die Quittung erhält Bremen, beim 4:1 legt Mehmedi Scholl zwei Tore auf.

25. Spieltag

Die Ära Guardiola wird jäh beendet. Pep wird angelastet, die überalte Bayern-Mannschaft nicht vor dem Zerfall bewahrt zu haben. Seit dem Saisonbeginn im August, rechnet Karl-Heinz Rummenigge vor, seien ausnahmslos alle Spieler erneut sieben Monate älter geworden. „Ein wenig Cleverness hätte die Biologie sicher überlisten können. So hat sich leider gezeigt, dass er nicht der Richtige für uns ist“, erklärt der Bayern-Boss.

Wie es der Zufall so will, wird parallel in einer Pressemitteilung verkündet, dass Jürgen Klopp zum Wiedereinstieg ins Trainergeschäft bereit sei. Vor dem Kracher in Dortmund tauscht der Pöhler seine gelbe gegen eine rote Kappe, malt das „ö“ mit der Bayern-Raute aus und stellt sich im Tandem mit Matthias Sammer an die Linie. Es hilft: nichts. Der BVB siegt 3:0. Bayerns Vorsprung schmilzt auf 19 Punkte. Klopp zerbeißt seine Kappe.

26. Spieltag

Beim nächsten Spiel sind die FCB-Veteranen schon wieder um sieben Tage gealtert. Zur besseren Regeneration schickt Klopp die Traditionsmannschaft auf den Rasen. Roy Makaay trifft doppelt, trotzdem verlieren die Münchner in Bremen, weil Werder die Idee hatte, Di Santo durch Di Salvo zu ersetzen. Gerissen. Weitere Probleme für Bayern: Die Fans beklagen eine Ruhrgebietisierung des Klubs, und Bastian Schweinsteiger wechselt von Manchester United zu Borussia Dortmund.

27. Spieltag

Trotz guter Haltungsnoten legt der Mainzer Trainer Martin Schmidt eine Bruchlandung hin. Die Chef-Etage traut ihm keine großen Sprünge mehr zu und verpflichtet den völlig unbekannten Sven Hannawald, einen vermeintlichen Überflieger, der prompt die nächsten vier Spiele gewinnt. Hannwalds Co-Trainer ist übrigens Freund – Steffen Freund. Wer sonst.

28. Spieltag

Hannover hat nach wie vor nicht gewonnen, doch Michael Frontzeck blendet die Nebengeräusche aus: Wichtig ist Uffe Platz! Das sieht Stuttgart freilich ähnlich, Alexander Zornigers verblüffende Empirie („Das Tor steht in der Mitte“) beweist, warum er seinen Fußballlehrer einst als Lehrgangsbester erwarb.

29. Spieltag

Nach zwei Punkten aus den vergangenen 24 Aufgaben ist der HSV das Gespött einer Nation. Letzte Ausflucht: ein abermaliger Trainerwechsel. Ohnehin als Satire-Klub gebrandmarkt, übernimmt Jan Böhmermann das Ruder. Gegen Darmstadt springt ein achtbares 0:0 heraus. Am Abend sitzt Böhmermann in der Talkshow „Günther Jauch“, hantiert mit dem Effe-Finger und spricht von einem Irrtum.

30. Spieltag

Eine Ausnahmegenehmigung ermöglicht es dem HSV, nach Verstärkungen zu fahnden. Von einem französischen Provinzklub kommt der bereits 34-jährige Schweden Zlatan Ibrahimovitsch, der unumwunden ankündigt, die Champions League gewinnen zu wollen. Beim BVB trifft Ibrahimovitsch mit einem Fallrückzieher aus 43 Metern, per Hacke und Skorpionschlag. Hamburg hofft wieder.

31. Spieltag

Nach der sechsten Niederlage im sechsten Klopp-Spiel, einem 0:3 daheim gegen Hertha, ist Bayerns Abstand von 19 auf einen Zähler geschmolzen. „Ich an Klopps Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, mich dazuzunehmen“, zischt Sammer. Klopp zerbeißt die Kappe des Schiedsrichters.

33. Spieltag

Ein 2:2 gegen Gladbach verlängerte die Schonfrist, durch das 0:1 in Ingolstadt aber ist Bayern die Tabellenführung los. Trostpflaster: Ein rothaariger Belgier schleicht in der Münchner Innenstadt herum. Ibrahimovitschs fünf Tore zerfetzen Wolfsburgs Titelträume. Frankfurt findet endlich einen Trainer – Armin Veh hat es sich noch einmal überlegt.

34. Spieltag

Zum 34. Mal einigen sich die Kölner auf ein torloses Remis und schließen die Saison mit 0:0 Toren sowie 34 Punkten als Dreizehnter ab. Chapeau. Schalke fehlen ziemlich genau 169 Zentimeter zum Europapokal, Hoffenheim ein Kinnbärtchen zum Klassenerhalt, und Rudi Völler muss sich aus der eigenen Mannschaft fragen lassen, ob er den Fußball je geliebt habe – Christoph Kramer hatte es vergessen. Ach ja: Hamburg rettet sich wie gewöhnlich in der Relegation – 1:1 und 2:2 gegen Heidenheim, souverän. Die Schale wandert nach Gladbach, da Bayern den wackeren Hannoveranern unterliegt. Kann mal passieren.

Böhmermann kündigt an, zum FC Köln zu wechseln und lockt damit den empörten Stefan Raab aus der TV-Rente. Alles nur Spaß. Guardiola sucht beim HSV nach der Selbstverwirklichung, während Gladbach fast unbemerkt von der Öffentlichkeit die Champions League gewinnt. Anschließend wird Favre sowohl Bayern- als auch Bundestrainer, zumal Österreich die Europameisterschaft erringt.


(jmi)