Die verpasste Chance des VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart hat sich heute (einvernehmlich, haha) von Kevin Großkreutz getrennt – und damit eine seltene Chance vertan. Wie schön wäre es doch gewesen, hätte der Klub zum Spieler gestanden, wie es im Mai 2016 auch andersrum war, als Großkreutz unmittelbar nach dem direkten Abstieg in die Zweitklassigkeit öffentlich kundtat, den Gang in die 2. Liga mitantreten zu wollen. Dass Großkreutz nun fallen gelassen wurde, offenbart jedoch leider, dass im Profifußball kein Platz mehr ist für echte Typen mit Ecken und Kanten. Findet zumindest Leon Herzog.


„Ich schwöre auf alles, was mir heilig ist: Ich werde im nächsten Jahr in der 2. Liga mehr Emotionen zeigen, als der FC Bayern bei der Meisterschaft. (…) Wir werden zurückkommen! Dafür habe ich zu viel Stolz, Herz und Ehre.“

Großkreutz‘ Worte aus dem vergangenen Frühjahr waren damals schon gewaltig. Heute, mit den Geschehnissen der letzten Tage und Stunden, bekommen sie jedoch eine weitere, bemerkenswerte Bedeutung. Wer aus dem Geschäft Profifußball traut sich überhaupt noch, sich in schwierigen Zeiten derart zu positionieren? Großkreutz hat das gemacht. Einer, dem man glaubt, dass er für den Fußball lebt. Ein echter Typ.

Leider, so scheint es, wird man als „echter Typ“ heutzutage schnell abgestraft. Wird zum Spielball der Medien oder zum Sündenbock der Vereine. Also doch lieber Mund halten und aalglatt durch die Profi-Jahre schlängeln? Aufwachen, Leute! Fußballprofis sind auch nur Menschen, haben ein Privatleben.

Und dazu gehört eben auch, mal ordentlich ein durch’n Tisch zu treten.

Oh wait! Großkreutz war krankgeschrieben und hätte deswegen nicht mit drei U17-Spielern in die Disse gehen sollen? Genau. Wir alle waren noch nie unterwegs, obwohl wir krankgeschrieben waren. Wir alle haben noch nie Scheiße gebaut. Wir dürfen sowas machen, weil wir keine Millionen verdienen? Quatsch! Sobald ein Fußballstar mal ins Abseits läuft, wird er ans Kreuz genagelt (sorry, der Gedanke mit dem Kreuz war echt schon da, BEVOR ich gemerkt habe, dass es hier um Großkreutz geht).

Es bestreitet keiner, dass es ein Fehler war, mit den Jugendspielern nachts auf die Piste zu gehen. Aber ist das direkt ein Trennungsgrund? Welche Rolle spielt es, dass er on top auch noch Opfer einer Schlägerei wurde? Die Hintergründe kennen wir nicht. Dennoch lässt sich eine wichtige Frage stellen: Wieso konnte man sich nicht bewusst hinter den Spieler stellen, der sich einst ebenfalls zu 100% mit dem Verein identifiziert hat? Kevin Großkreutz ist kein Schlechter. Einer mit Herz. Einer, der für den Verein lebt, sich um Jugendspieler kümmert und ihnen zeigt, dass Stars auch nahbar sein können.

Alle wünschen sich „Typen“ im Fußball, aber sobald so einer auftaucht, will ihn keiner mehr haben.

Großkreutz hat seinen Fehler eingesehen und sich aufrichtig beim Verein und bei der Mannschaft entschuldigt. Jeder, der die Pressekonferenz gesehen hat, hat gemerkt, wie sehr dieser Zwischenfall ihn emotional trifft und wie sehr er ihn bereut. Der FC Bayern hat mehrmals vorgemacht, wie man in solchen Fällen handeln kann. Breno, Ribéry, Hoeneß  – immer stand der FCB zur Seite. Ein bisschen dieser Loyalität und Unterstützung hätte auch dem VfB Stuttgart nicht schlecht gestanden.

Eine saftige Geldstrafe – zusammen mit den Verletzungen, die er in der Schlägerei erlitt, wäre mehr als Strafe genug gewesen. So allerdings hat der VfB die Chance vertan, sich zum Spieler zu bekennen. Vermutlich werden die Schwaben aufsteigen. So, wie es Großkreutz einst angekündigt hatte. Nur leider eben ohne ihn – und damit automatisch mit weniger „Stolz, Herz und Ehre.“


Von Leon Herzog
(geht auch immer mit Jugendspielern in die Disse, isst Döner aber lieber anstatt sie zu werfen, Anm. d. Red.)

Leon Herzog

"Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst." - George Best

3 Reaktionen

  1. Ergänzungsspieler sagt:

    „… Wäre mein Kind dabei gewesen, dann würde ich ihm und dem VFB die Hölle heiß machen….“

    Wäre mein Kind dabei gewesen, hätte ich meinem Kind die Hölle heiß gemacht.

  2. markus sagt:

    Sorry, aber das sehe ich ganz und gar nicht so.

    KG ist ein Prolet der seine Dummheiten via Twitter in die Welt posaunt, dabei ist er weder lustig noch erheiternd, sonder er provoziert pausenlos.
    Von Vereinsseite hat man ihn m.W. dafür mehrmals verwarnt.

    Dazu lernt er aus seinen Fehlern nichts. Es ist nicht damit getan „Entschuldigung“ zu murmeln und alles ist vergeben und vergessen.

    Seine Verfehlungen steigern sich von Mal zu Mal und hat m.E. jetzt ein Hoch erreicht bei dem eine Entschuldigung nicht ausreicht.

    Es ist eine Sache sich mit Kindern zu umgeben in seinem Alter und auf Kinder Partys zu gehen. Aber dann so richtig auf die Kacke zu hauen (4stellige RG) und die Buben mit in den Puff zu schleppen (Straftat) um danach noch in eine Schlägerei zu geraten und alles während er eigentlich verletz und damit arbeitsrechtlich krank geschrieben ist haut für mich dem Fass den Boden aus.

    Ich weiß, deine Generation findet das normal und nicht schlimm, aber er war der Erwachsene, er hatte mehr oder minder die Aufsicht und eine Vorbildfunktion.

    Wäre mein Kind dabei gewesen, dann würde ich ihm und dem VFB die Hölle heiß machen.

    Die Entscheidung vom VFB ist hart, aber vertretbar, diese Unruhe kann niemand gebrauchen.
    Noch ist ja nicht alles raus gekommen, für mich fehlt nur noch das Koks in der Story.

    Ich bezweifle, dass KG die richtigen Schlüsse aus der Sache zieht, hat er in der Vergangenheit auch nicht hin bekommen.

    Ob es ein herber Verlust für den VFB und die Fußballwelt ist, mag ich auch in Frage zu stellen.

    Es sind auch Welten zwischen Ruhrpott Prolet und aalglattem Profi wie z.B. dem Lahm…

    Es gibt genug Profis die ihre Meinung sagen.

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