Ich, Marco!

Marco Reus und sein Facebook-Eintrag. Noch immer wird heiß darüber diskutiert. Kollege Johannes Mittermeier weiß: Ein Wechsel nach München ist wahrscheinlich (Stichwort: Drei-Jahres-Plan) und: die Veröffentlichung des Reus-Kommentars kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn: Dortmunds Mittelfeldgenie ist mehr als ein Profifussballer. Er ist eine Marke. So einfach ist das.


Wer den Facebook-Eintrag der fussballspielenden Modeschöpfung mit Twitter-Name @woodyinho liest, steht vor einer Weggabelung. Die erste Abzweigung führt zur Markenbildung, denn was @woodyinho, der im realen Leben Marco Reus heißt, da niederschreibt, übertüncht jeden Leitartikel in Frankfurter Allgemeinen oder der Süddeutschen Zeitung. Und es übertüncht sogar jene Berichte, die immer so großformatig bebildert sind. Reus spricht. Nonverbal. Zu seiner Netzgemeinde. Also quasi zu allen der Generation Endgerät, denn in unseren Gezeiten wird der Rezipientenkreis mannigfach, und genau das war die Intention. Marco Reus ist längst nicht mehr nur ein Name, nein – vielmehr ist Marco Reus eine Institution, die Google schon bei „Ma“ in seinen Vorschlägen ausspuckt. Bei „Mar“ kommt man endgültig nicht mehr am schnellsten Irokesen der Welt vorbei, selbst wenn man wollte. „Mar“ wie Marco. „Mar“ wie Marke.

Das weiß die Marke Marco natürlich (und falls nicht, dann ihr Geschäftsumfeld). Deshalb klettert Reus auf Zuckerberge und tippt ein paar Sätze ab. Motto: Ich, Marco. Ein Statement der Binnensteuerung neumoderner Fußballkünste. Die zweite Route lässt sich rasch abhandeln, denn sie ist sekundär. Allerdings unterstreicht sie obige Volksnähe, denn ein Lektorat hat der Text mit Sicherheit nicht durchwandert. Ein Königreich für eine Kommasetzung. Marco Reus ließ nicht schreiben, er hat geschrieben. Das liest man. Und das ist gut so.

Marco Reus, Digital Native
Die dritte und wichtigste Gabelung navigiert freilich zur inhaltlichen Erörterung. Marco Reus ist ein Digital Native (ansonsten würde einem ja nicht einfallen, sich @woodyinho zu taufen), präsent auf den einschlägigen Kanälen wie Ü-30-Partywerbung auf Litfaßsäulen in Wanne-Eickel. Bei Facebook weiß er eine Millionenmasse hinter sich, der wohl bald eine „11“ vorstehen wird, justament kongruent zur Trikotnummer. Marco Reus #11. Marke und so.

Also hier, Inhalt. Reus‘ derzeitiger Arbeitgeber ist Borussia Dortmund. Zuvor war er von 2006 bis 2009 bei Rot-Weiß Ahlen und von 2009 bis 2012 bei Borussia Mönchengladbach, seitdem verdingt er sich in Dortmund. Mit beachtlichem Erfolg. Ohne Titelgewinn. Im Mai nächsten Jahres wird Reus 26 Jahre jung. Nicht alt. Aber trotzdem. Bislang sah seine Karrierefolge (die Vokabel „Plan“ dient als dankbares Synonym) einen Drei-Jahres-Takt vor. Nach dieser Saison vollendet Reus sein drittes Jahr beim BVB.

Am Ende des Tages…
Natürlich ist das Datum des Facebook-Eintrags, wie alles andere im Berufsalltag des Marco Reus, nicht willkürlich gewählt; der Post wurde der Erdbevölkerung entsendet, einen Tag, bevor sein aktueller Klub beim – glaubt man Frankfurter Allgemeiner, Süddeutscher Zeitung – und dem bebilderten Blatt – mutmaßlich neuem Verein vorspielt. Die Gazetten haben Reus zu Bayern München getextet, und das ziemlich beharrlich. Da musste/sollte/wollte gegengesteuert werden. Möglichst positionierend und doch möglichst neutral. Soll ja nächsten Sommer niemand behaupten, Reus habe unter Heuchlerhusten gelitten. Das würde am Image kratzen, also an der Marke, also an der Brieftasche.

Reus schreibt, dass er nach München fährt. Mit Dortmund. Wegen Punkten. Und dann schreibt Reus, dass er gegen Istanbul und Mönchengladbach, gegen Paderborn und London spielt. Und dann für den Bundesjogi. Karl-Heinz Rummenigge, der Mann aus dem Süden, liebt die Redewendung vom „Ende des Tages“. Weil Reus ja zu den Bayern wechselt, können wir konstatieren: Am Ende des Tages wird er vieles richtig gemacht haben. Genau wie sein Management. Und @woodyinho.


Von Johannes Mittermeier
(hat ein Lektorat auch nie von innen gesehen)

 

 

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