Kommen Sie zu mir, machen Sie Unterricht

Rudi Völler im Körper von Pal Dardai. GEIL! Im Gespräch mit Sky-Moderator Thomas Wagner ging es nach dem DFB-Pokalspiel nochmal so richtig rund. Wir haben das Gesprächsprotokoll.


Wagner: Pal Dardai, dieses Spiel hatte so viele Hoffnungen geweckt in ganz Berlin und auch bei Ihnen persönlich. Warum ist es heute schiefgegangen?
Dardai: Also, erstmal „Hoffnung“ habe ich nie in meinen Mund genommen. Das Wort Hoffnung ist ein schlechtes Wort. Wir haben nie Hoffnung gehabt, wir haben hart gearbeitet. Wir haben hier eine Chance heute hier gehabt, aber keine Hoffnung. Hoffnung ist ein komisches Wort. (…).

Wagner: Dennoch – Sie sind reingegangen gegen diese starke Dortmunder Mannschaft, erstmal geordnet zu stehen. Uns hat so ein bisschen der Mut zu Beginn gefehlt…
Dardai: Welchen Mut meinen Sie?

Wagner: Den Mut, auch nach vorne zu spielen, Akzente zu setzen als Heimmannschaft vor dieser Kulisse.
Dardai:

Ja, aber wie sollen wir das machen? Sie müssen mir das erklären und dann mache ich gerne mit.

Wagner: Ja gut, Wenn man Zweikämpfe gewinnt, wenn man ein bisschen höher steht, wenn man Freistöße bekommt, dann geht vielleicht mal einer rein…Wenn man…
Dardai: Das ist richtig, aber haben Sie Freistöße gesehen oder haben Sie gesehen, dass wir den Ball erkämpft haben? Wir sind nur hinterher gelaufen. Wir sind nicht mal zum Zweikampf gekommen. Das waren die Probleme. Dann hat Dortmund nachgelassen, weil 20 Minuten Dampf kriegst du hin. Und leider in der 20. Minute bekommen kriegen wir ein Tor. Unnötig. Das war keine Überzahl. (…) Sie können mir alles erzählen, aber wenn ich die erste Halbzeit nach vorne gehe, dann sehe ich so aus wie Liverpool, 0:2. (…) Also sorry. Wir haben alles gegeben. Glück hat gefehlt. (…). Wir müssen nicht alles kaputtreden.

Wagner: Wir haben ja gar nichts kaputt geredet. Ihre Mannschaft hat ja auch alles gegeben…
Dardai: Sie haben gerade gesagt, dass meine Mannschaft – natürlich musst du verteidigen! Wenn Sie eine bessere Idee haben, nehme ich gerne Unterricht von Ihnen. Kommen Sie zu uns nach Hertha, sehen Sie unsere Werte an, geben Sie uns eine bessere Lösung. Zweite Halbzeit gab’s eine bessere Lösung. Wie viele Torchancen hatte Dortmund in der zweiten Halbzeit?

Also, ein bisschen mehr Respekt…

Wagner: Nein, nein, nein. Moment – Herr Dardai, das kann ich so nicht stehen lassen…
Dardai: Die Jungs haben gut gekämpft. Da gehe ich nicht mit, mit solchen Diskussionen zur Defensive. Also, sorry. Das war Offensive genug, es waren genug Offensivspieler auf dem Platz. Also, bitteschön bessere Frage stellen, sonst brauchen wir nicht diskutieren. Oder kommen Sie zu mir, machen Sie Unterricht für mich, wie soll ich gegen Dortmund verteidigen? Ich bin ein offener Mensch, da mache ich sehr gerne mit.

Wagner: Aber Pal Dardai, ich habe Sie gefragt, ob Ihrer Mannschaft ein bisschen der Mut…
Dardai (lässt ihn nicht ausreden): Nein, nein, nein.

Wagner: Darf ich vielleicht auch ganz kurz reden?
Dardai: Ich rede!

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Wagner: Dann müssen Sie die Fragen aber auch richtig verstehen.
Dardai: Sie haben meine Mannschaft rundgeredet: Das war zu defensiv, das war nicht mutig genug. Sorry, solche Fragen brauche ich nicht. Auf andere Fragen würde ich vernünftig antworten!

Wagner: Ok. Sie haben gerade gesagt, Sie haben gezählt, wie viele (…) Chancen Borussia Dortmund in der zweiten Hälfte hatte. Sie haben zwei Tore geschossen und hatten noch drei Hunderprozentige. Was ist denn da dann schief gelaufen?
Dardai:

Hab ich gerade erklärt. Haben Sie mir gerade zugehört?

Wagner: Doch, ich habe Ihnen zugehört…
Dardai: Ich habe gesagt. Wir haben nach vorne verteidigt. Die sind groß, die sind schnell. Wir haben eine junge Mannschaft (…). Wenn wir das schaffen, dass wir nächstes Jahr Europa-League spielen, dann werden wir weiter sein….(…).

Wagner: In der zweiten Halbzeit, da haben Sie 0:1 zurückgelegen, da mussten Sie ja was tun.
Dardai: Ja, haben wir gemacht…

Wagner: Aber wenn Sie jetzt sagen, dass das Material von Dortmund besser ist als von Hertha…
Dardai: Schnelligkeit ist besser. Nicht Material. Material ist wieder so ein komisches Wort…

Wagner (genervt): Ok. Dann sagen wir Schnelligkeit…und vielleicht…das Vermögen von Dortmund besser ist…
Dardai: Ja…

Wagner: Wie kann man denn so ein Spiel dann gewinnen oder wie muss es dann laufen, dass Hertha BSC eine Chance gegen Borussia Dortmund hat?
Dardai: Genauso wie die erste Halbzeit. Kompakt verteidigen. Gut umschalten. (…) Entlasten, Freistöße rausholen (…). Vielleicht müssen Sie das nochmal anschauen. Zwei verschiedene Fragen haben Sie gestellt. Und über Ihre Meinung…ich verstehe Sie nicht mehr langsam. Weil ich habe erklärt: Zweite Halbzeit, Räume gelassen. Da haben wir Probleme. Schnelligkeit Probleme. Und ja, ich weiß nicht. Ob Sie meinen, Sie müssen sich rausreden oder…

Wagner: Will ich überhaupt nicht.
Dardai: Bisschen mehr Respekt. Meine Jungs haben gut gearbeitet. Wenn einer das nicht sieht…das war organisiert. Die sind bis zum Limit gegangen. Das kann man an den Werten sehen. Jeder Spieler ist viel gelaufen.

Und sorry, wenn Sie das nicht gesehen haben, dann haben wir beide Probleme.

Wagner: Ok. Dann haben wir ein Problem. Dann beenden wir es vielleicht. Ich hab den Respekt vor Ihrer Mannschaft nie verloren. Ich bin trotzdem der Meinung, Sie haben…
Dardai: Doch, Sie haben von Material geredet. Meine Spieler sind nicht Material…

Wagner: Ok…das ist ein Wort, wo man sagt…Spielermaterial. Ist ein gängiges Wort. Tut mir leid. Ok…dann beenden wir das hier.
Dardai: Alles gut, ja.

Wagner: Pal Dardai. Vielen Dank. (Handshake).

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1 Reaktion

  1. Raumfuernotizen sagt:

    Schönes Zeitdokument. Danke. Und liebes Fums-Team, ihr meint am Anfang sicher „Rudi Völler im Körper von Pal Dardai“ – und nicht umgekehrt.