Kommentar: Zeit, Danke zu sagen #Reif

Sauer wieder! Sky-Chef-Kommentator Marcel Reif hängt das Mikro im Sommer 2016 an den Nagel. Gab schon mal bessere Nachrichten, findet Cord Sauer und hat seine Gedanken und Befindlichkeiten flott niedergeschrieben. Von einer Liebeserklärung will er allerdings nichts wissen…


So bekloppt das hier alles klingt – Freitag, der 15. Januar 2016 war eigentlich ein guter Tag. Thorsten Legat im Dschungelcamp, dies das. Gegen 14:20 Uhr erreichte mich dann die Meldung, dass Marcel Reif im Sommer Schluss macht. Als ich realisierte, was das bedeutet, war mein Tag gelaufen. Und nein – ich habe nicht zuerst gedacht: „Scheiße, von wem machen wir denn jetzt die FUMS-Arbeitsnachweise?“ Vielmehr war mir sofort bewusst, dass mit dem Abgang von Reif einer der größten deutschen Kommentatoren die große Fussball-Bühne verlässt. Eine Kommentatoren-Legende.

Und ich will hier gar nicht vom umgefallenen Tor in Madrid sprechen. Vielmehr soll hervorgehoben werden, dass Reif in unserer Zeit einer der wenigen ist, der es schafft, ein Fussballspiel unterhaltsam zu gestalten – auch, wenn es 0:0 ausgeht. Und dieses Talent haben nicht viele. Fussball ist Entertainment. Mit allem Drumherum. Dazu gehören insbesondere auch die Kommentatoren, Reporter, Moderatoren. Umso schöner finde ich es, wenn sie sich was trauen. Wenn sie Profil haben, markante Charakterzüge haben, Wiedererkennungswert.

Klar, auch ich habe mich das eine oder andere Mal aufgeregt, wenn Reif innerhalb eines Spiels 38x Xabi Alonso erwähnt hat oder den Spielernamen Hojbjerg in sieben verschiedenen Sprachen zum Besten gab.

Allzu berechenbar waren darüber hinaus seine Classics: verhühnert, hanebüchen, überragend. Umso überragender (um im Reif-Sprech zu bleiben) waren dafür seine unzähligen rhetorischen Feinheiten, seine weit hergeholten Metaphern, aber auch seine klaren Analysen und scharfzüngigen Bemerkungen. Und sein Humor.

Und jetzt? Mein lieber Schollimowski, Marcello. Soll das schon alles gewesen sein? Noch einmal Rückrunde, noch einmal CL-Finale und dann Tschüß? Ich will das eigentlich nicht glauben. Will es nicht wahrhaben. Schon jetzt sehe ich dich als „Experten“ bei Sky90 sitzen, alle drei Monate mal, sonntagabends. Vielleicht Dopa, vielleicht mal Lanz. Du wirst in Talkrunden sitzen und deinen Senf zum Besten geben.

Aber es wird nie wieder so klingen, wie ich es am liebsten höre. LIVE von der Tribüne runter direkt in mein Wohnzimmer. Leidenschaftlich und authentisch.

Es ist dennoch ein guter Zeitpunkt, um mal Danke zu sagen. Danke für viele schöne Reporterstunden am Rande des Fußballs. Danke für Sätze wie „Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen“ oder „Wer soll den noch kriegen? Erschießen ist nicht drin im Fussball“. Ich wünsche dir auf deiner Abschiedstour viele geile Spiele, Tore und vor allem „Feel good“-Momente. Für dich solls Rote Rosen regnen – am liebsten im Dortmunder Signal Iduna Park. Natürlich nur, weil dieses Stadion das größte Fassungsvermögen hat…

Und jetzt: Weitermachen!


 

Von Cord Sauer
(sollte sich ne neue Sportart suchen, wenn nach Reif auch noch Thurn und Taxis aufhört, d. Red.)

Cord Sauer

"Jeder Tag, an dem Fußball gespielt wird, ist schön." (Stefan Effenberg)

Noch besser wird es hier...

2 Reaktionen

  1. Phil sagt:

    Ich mache drei Kreuze, wenn der Typ endlich in den Sack haut. UNERTRÄGLICH!

  2. Edi sagt:

    Irgendwann ist für jeden die Zeit gekommen, einen Strich unter einen Abschnitt zu ziehen. Es ist gut so, besser rechtzeitig gehen als später gegangen werden. Auch ein Lorbeerkranz welkt. Auch in anderen Berufen, und gerade im Fußball, kann sich ein einst errungener Erfolg nicht ewig halten. Seine Spielmoderationen sind in jüngster Zeit leider allzu oft sehr nach persönlicher Vorliebe zugunsten eines Vereins gefärbt gewesen, anstelle möglichst objektiv über das Geschehen zu berichten. Für mich kommt dieser Schritt daher einer Erleichterung nahe, natürlich in der Hoffnung, dass nachfolgliche Besetzung eben objektiver wird, auch wenn manche Sprachmalereien dann nicht mehr vorkommen.
    Eduard