Make Kreisliga Great Again!

Poppe wieder. Was soll nicht gerade alles great again gemacht werden – Amerika, Mario Barth, der HSV und und und. Was aber wirklich wichtig ist, ist doch die Kreisliga. Unsere Kreisliga. Thomas Poppe mit einem Appell an all die Funktionär-Heinis, die sich in den VIP-Logen lieber Schnittchen reinziehen anstatt die Basis zu stärken.


Ronaldo hat gerade seinen Vertrag in Madrid verlängert. 20 Millionen im Jahr bekommt er und wenn man gegenrechnet, wieviele seiner Trikots Real verkauft, wieviele Prämien wegen seiner Tore eingestrichen werden und wieviele Sponsoren den Königlichen allein wegen ihm Geld geben, ist er wohl jeden der zwei Milliarden Cent (!) wert.

Ganz oben wird es immer wilder, während bei so manchem Kleinstaat bereits bei Ablösesummen von einzelnen Spielern das ganze Bruttoinlandsprodukt wackelt. Und ganz unten an der Basis lecken sie die Wunden, die sie sich auf den Ascheplätzen der Nation geholt haben. Die Schere zwischen Serie A und Kreisliga A, sie klafft weiter auseinander als Anspruch und Realität beim HSV.

Es gibt nur eine Lösung: Make Kreisliga great again!

Während man in den Verbänden darum kämpft, immer mehr Millionen in die Kassen der wenigen Topclubs zu spülen, zählt in den unteren Ligen oft jede verkaufte Bratwurst. Wer dann aber seine Spielergebnisse nicht zeitnah auf der Verbandsseite postet, ist schnell die Zuschauereinnahmen wieder los – bei mehrfacher Wiederholung auch mal Punkte. Egal, ob der Sportplatz in der Edge-Hölle liegt.

In der Bundesliga echauffieren sie sich über mäßige Rasenbedingungen. In der Kreisliga sind sie derweil froh, wenn die Asche bei der Grätsche nicht so viel Fleisch vom Knie schürft. Und dennoch grätschen sie rein, weil es in dem Moment um alles geht. Nicht um das perfekte Aussehen beim Torjubel oder das ideale in Szene setzen der eigenen Person, sondern nur um das Spiel.

So viel Herz in der Basis noch steckt – selbst in den unteren Ligen gilt längst das Mäzen-Prinzip von Hoffenheim und Leipzig. Da hängt an der Laune des Vorstandsvorsitzenden der nächst größeren Firma schnell auch mal ein Unterschied von drei bis vier Ligen. Die hoffnungsvollen Landesligakicker werden längst lieber Spielertrainer in der untersten Klasse. Für 1.500 netto schießt man gerne 40 Buden im Jahr – statt 300km für ein paar Euro und Konkurrenzkampf mit dem Landesliga-Verein zu fahren.

Dabei sind es gerade die Teams aus dem eigenen Kaff – in Trainingsanzügen vom Dorfmetzger, die Spaß bringen:

Kabinenparty nach dem Abschlusstraining, Vereinslieder unter der Dusche, Sticheleien vor dem Derby.

Und dann sind da noch diese besonderen Menschen neben dem Platz. Die Ehrenämtler, die ihre Freizeit in das Waschen von Trikotsätzen, das Backen von Kuchen für die Spielersitzung oder die Organisation von Jugendzeltlagern stecken. Sie stehen draußen, bei Wind und Wetter. Direkt neben den klassischen Miesepetern, die den Schiri noch wüster beschimpfen, als die Bundeskanzlerin. Danke, Merkel.

Den einen Typen, der auch bei strömendem Regen mit der Linienrichterfahne und einer Zigarette an der Seitenlinie steht. Die eine Spielermutter ohne Ahnung aber mit gaaanz viel Leidenschaft für den Bub. Der Rentner, der bei Siegen eine Kiste Bier springen lässt. Der Typ, der selbst angeblich mal kurz vor einer Profikarriere stand und immer was zu meckern hat. Die Spielerfrau, die in der Halbzeit alles zum RTL-Supertalent vom Vortag, aber nix zur ersten Hälfte erzählen kann.

Alles Helden – nicht so wie die Schnittchenfresser in der VIP-Lounge.

Die echten Helden sind für mich nicht die, die in einem zusammengekauften Haufen voller Stars Titel anhäufen. Die echten Helden sind die Kicker vom Tabellenletzten, die ihren Sonntag opfern in der Gewissheit, wohl wieder den Arsch voll zu bekommen. Die wahren Legenden sind die 48-Jährigen mit 38 Bänderissen in der Vita, die in der 2. Mannschaft aushelfen, weil die sonst mit 10 Mann antreten müssten. Die wahren Superstars sind die, die sich am Samstagabend  auf Verdacht die Kante geben, weil: Spielausfall laut Wetterbericht wahrscheinlich – und am Ende dann findets doch statt und sie machen mit 2 Promille das Spiel ihres Lebens.

Nehmt sie ernst, lieber Macher und Funktionäre. Sie sind die Basis, der Ursprung aller Superkicker und ihr gebt einen feuchten Furz darauf, was dort passiert. Integration findet aber nicht statt, wenn Sahin und Özil sich für ein Land entscheiden, sondern wenn der Syrer vom örtlichen Flüchtlingsheim seine Schlappen aus der Mannschaftskasse gezahlt bekommt.

Die Liebe zum Spiel wächst in den Jugendteams dieser Vereine – die Liebe bei Kids, die die teuren Trikots der Leute kaufen wollen, die ihr mit Geld zukackt. Lasst mal die Kirsche im Dorf und holt mal ein paar Tausender Fördergelder für die Kreisliga raus, statt um fünf oder zehn mehr Millionen für die oberen 10-20 Clubs zu verhandeln. Es ist scheißegal, ob die Bundesliga mit der Premiere League mithalten und irgendwelche internationalen Titel holen kann. Was zählt ist, dass Kevin vom „TuS Irgendwas“ in der „Kreisklasse Irgendwo“ nicht der Spaß genommen wird und er nach dem Spiel weiterhin entspannt ne Kiste Bier holen kann!


Von Thomas Poppe
(…frisst alle Bratwürste beim VfB Eichenbühl und verdoppelt so den Etat dort, Anm. d. Red.)

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