Im Interview: Oka Nikolov

Oka Nikolov war über 20 Jahre Torwart bei Eintracht Frankfurt. Dann ließ er seine Karriere in den USA ausklingen. FUMS, das Magazin für Fussball und Humor, sprach mit „dem ewigen Oka“ über Vereinstreue, Fussball in Amerika und das Leben nach der Profikarriere. 


FUMS: Oka Nikolov, seit Ende Februar betreiben auch Sie endlich eine offizielle Facebook-Seite. Wo waren Sie solange?
Oka Nikolov
: Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Ich bin eigentlich nicht so aktiv dort – aber man kann die Augen davor ja nicht verschließen in der heutigen Zeit. Es gehört dazu und ist eine tolle Sache. Während meiner Zeit in den USA habe ich jemanden kennengelernt, der dann immer zu mir gesagt hat: „Mach das, mach das.“

Bevor Sie ihre ersten Schritte in Sozialen Netzwerken gingen, spielten Sie knapp 20 Jahre für Eintracht Frankfurt, gingen dann noch einmal nach Amerika und ließen Ihre Karriere beim Zweitligisten Fort Lauderdale Strikers ausklingen. Was hat Sie gereizt an dieser letzten Station?
Ich mag das Land einfach sehr gerne. Und generell hat mich auch gereizt, wie der Sport dort funktioniert. Was das zum Teil für Veranstaltungen sind, ist der Wahnsinn. Das hat mich schon immer interessiert. Ich hab mich also nicht erst seit gestern damit befasst und irgendwie war es immer mein Traum. In den USA habe ich noch einmal tolle Erfahrungen sammeln können und bin rückblickend froh, es gemacht zu haben. Mit 40 Jahren macht man sich ja schon seine Gedanken, wie lange es noch geht (schmunzelt). Sicher hätte ich dort noch ein weiteres Jahr dranhängen können.

Aber dann kam das Angebot vom DFB, die ersten Schritte als Trainer zu machen. Das lehnt man nicht ab.

20 Jahre in einem Verein können nur die wenigsten Spieler von sich behaupten. Bereuen Sie es manchmal, nicht mehr von der Fussballwelt gesehen zu haben?
Überhaupt nicht. Klar gab es mal die eine oder andere Gelegenheit, etwas anderes zu machen. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich aber vollkommen zufrieden. Und auch stolz, wie meine Karriere verlaufen ist. Was ich erreicht hab – auch ohne gewonnene Titel.

Welchen Stellenwert hat Vereinstreue im Jahr 2015?
Das ist ein schwieriges Thema. Da muss ich auch viele Spieler in Schutz nehmen. In der Bundesliga wird schnell ausgetauscht. Da kommt schnell mal ein neuer Trainer und plötzlich bist du als Spieler aussortiert. Da entscheidet beispielsweise auch mal die individuelle Spielweise. Viele Spieler können gar nicht gar nichts dafür, dass sie eine gewisse Vereinstreue nicht aufrecht erhalten können. Tendenziell glaube ich, dass es für jüngere Generationen immer schwieriger wird. Vereinstreue ist ja schon heute eher etwas Besonderes.

Hand aufs Herz: wo hat es Ihnen besser gefallen? Frankfurt oder Florida?
Das kann man nicht vergleichen. Sportlich schon mal gar nicht. Die MLS (Major League Soccer, Amerikanische Liga, Anm. d. Red.) ist nicht vergleichbar mit der Bundesliga. Aber sie wird immer stärker und interessanter. Ich bin gern in Frankfurt, das ist meine Heimat. Aber ich war auch gern in Fort Lauderdale und Philadelphia und kann mir gut vorstellen, dort wieder einmal zu leben.

Der Brasilianer Káka sagte neulich im Magazin 11Freunde, die MLS wird schon bald zu den besten Ligen der Welt gehören. Würden Sie das so unterschreiben?
Ob sie zu den Besten der Welt gehören wird, weiß ich nicht. Was ich aber sehe: viele Kids spielen Fussball. Das werden immer mehr und die werden ja auch alle älter. Mittlerweile wird der Nachwuchs dort besser gefördert und damit steigt das Niveau. Schon jetzt sind in den Stadion über 20.000 Zuschauer, in Seattle und Vancouver bis zu 40.000. Das Fernsehen ist jetzt auch eingestiegen in die MLS. Es bleibt da auf jeden Fall spannend.

Sie haben über 400 Spiele absolviert. Welcher Stürmer sucht Sie heute noch in ihren Albträumen heim?

Die Albträume sind vorbei. Ich bin ja jetzt Rentner.

Da muss ich mir keine Gedanken mehr machen. Je älter man wird, desto mehr genießt man das alles. Als ich jünger war, war ich sehr verbissen. Mit einem gewissen Alter wird man ruhiger. Fussball war immer der Mittelpunkt für mich und das wird auch immer so bleiben. Aber Gesundheit und Familie haben mittlerweile Priorität für mich. Und dann kommt der Fussball.

Mit 40 Jahren noch Fussball zu spielen ist selbst für einen Torwart unüblich. Wie konnten Sie so lange durchhalten und wie sehr haben die einzelnen Trainingseinheiten am Ende wehgetan?

Natürlich war es am Ende nicht mehr so wie mit 20, 25 oder 30. Ich hab das gemerkt in Philadelphia. Alles war irgendwie beschwerlicher. Da wusste ich schon, dass ich mehr tun muss. Wenn man bequemer wird, macht es wenig Sinn. Das halbe Jahr Fort Lauderdale hat sich dann noch irgendwie ergeben. Die haben jemanden gebraucht, da hab ich gesagt: komm, ich helfe ein halbes Jahr aus. Irgendwie war ich dort auch beweglicher. Vielleicht wegen der Wärme (lacht).

Fans nennen Sie den „ewigen Oka“. Was denken Sie, wenn Sie diesen Spitznamen hören?
Ich sehe das eigentlich positiv. Wenn etwas ewig war, kann es nicht so schlecht gewesen sein, oder?

Jetzt mit einem dreiviertel Jahr Abstand: Was ist das Schönste am Karriereende?
Man ist überrascht, wieviel man danach zu tun hat. Als Profifussballer hat man da doch deutlich mehr Zeit. Das soll nicht heißen, dass die den ganzen Tag nichts machen. Aber wenn ich nur den Zeitfaktor betrachte, war es als Aktiver schon angenehmer (lacht). Momentan hätte ich gern mehr Zeit für andere Sachen. Das Schönste am Karriereende (überlegt kurz)ich kann jetzt im Stadion auf der Tribüne sitzen und von oben herab auf die Jungs schimpfen (lacht).

Sie waren bis vor kurzem U19-Torwaarttrainer beim DFB, sind nun Trainer der U15 beim JFC Frankfurt und Teil des Trainerteams der Charly-Körbel-Fussballschule. Sieht aus, als wächst da ein künftiger Bundesligatrainer heran…
Trainer zu sein macht mir momentan sehr viel Spaß. Ich mache aktuell meinen Trainerschein. Das hat sich leider mit meiner Tätigkeit beim DFB überschnitten. Deshalb musste ich da leider aufhören. Beim JFC bin ich nicht nur Trainer sondern bin auch ein wenig im Management involviert. Ist eine gute Mischung.

Klassiker-Frage zum Abschluss: Sehen wir Sie eines Tages als Trainer von Eintracht Frankfurt?
Klassiker-Antwort: Erstmal will ich Trainer im Jugendbereich bleiben. Was dann kommt, wird man sehen.

Bitte vervollständigen...

Mein Tag beginnt mit…Frühstück mit der Familie.

Der Keeper in Deutschland mit dem derzeit größten Potenzial ist…Kevin Trapp.

Der beste Spieler mit dem ich je zusammen gespielt habe, war…da gibt’s viele. Da kann ich keinen nennen. Das wäre unfair.

Wenn ich kein Fussballprofi geworden wäre, dann…gute Frage, nächste Frage.

Der beste Trainer, den ich je hatte, war...ist auch schwer. Kann ich eigentlich auch nicht sagen.

Wenn der FC Bayern München mal bei mir angeklopft, dann…das sind ja alles voll die Fangfragen hier (lacht). Dann hätte ich mir Gedanken darüber gemacht.

Das FUMS-Magazin ist…ein sehr aufstrebendes Magazin


Vielen Dank, Oka Nikolov!

(Das Interview führten Leon Herzog & Cord Sauer)
(Foto: imago)

Leon Herzog

"Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst." - George Best

Noch besser wird es hier...