Schweini-Abschied: Es hätte so schön sein können…

Poppe wieder. Das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger in Gladbach fand vor 30.000 Zuschauern statt. Dabei hätte unser Weltmeister einen deutlich größeren Rahmen für seinen DFB-Ausstand verdient. Unser Autor Thomas Poppe hat mal ein mögliches Sekundär-Szenario skizziert.


31.08.2016, Allianz Arena München. 70.000 Zuschauer sind gekommen. Sie wollen sich von dem coolsten Duo seit Chip & Chap verabschieden. Danke Schweini, danke Poldi. Seit ihrem Debüt im Juni 2004 sind die beiden nach und nach von jungen Talenten und frechen Kickern zu Kult-Figuren, Idolen, ja sogar Legenden geworden. Und heute – ein letztes Mal – werden sie das DFB-Dress tragen. Team Schweini vs. Team Poldi.

Das Spiel, angesetzt mit Anpfiff 20.30 Uhr, ist noch in weiter Ferne und dennoch ist die Hütte voll. Pre-Show. Poldi und Schweini haben einfach zu viele gemeinsame Kumpel. Per Schnick-Schnack-Schnuck wird entschieden, wer die erste Wahl hat, dann wie auf dem Bolzplatz die Teams bestückt. Alte Weggefährten, Promis, aktuelle Stars.

Am Ende bleibt Mehmet Scholl übrig und wird zurück zu Delling geschickt.

Bevor es ans Warmmachen geht, werden die schönsten Frisuren der beiden Jungs gezeigt. Die Mittellinie wird zum Catwalk, Udo Walz hat ein paar Models die Manbuns abgeschnitten und den Konfed-Cut von 2005 verpasst. Gelächter auf der Tribüne, die Kids mampfen fröhlich die kostenlosen Chips und Kekse. Lothar Matthäus, Sandor Torghelle und Gabor Kiraly geben Interviews auf dem Feld – sie waren auf der Ungarn-Seite Trainer, Doppeltorschütze und Torwart beim Debüt der beiden Helden am 6.6. 2004. Schweini kam für Hinkel, Podolski für Bobic.

Ein „Warmmachen“ im klassischen Sinne gibt es heute nicht. Mini-Spiele der ehemaligen „Schlag den Raab“-Redaktion werden gespielt. Fußball-Tennis mit Partner, wer kann länger den WM-Pokal stemmen, Geißbock Hennes an den Hörnern erkennen, „Wer weiß mehr“ mit Meisterschaften und Pokalsiegen von Schweini, Reise nach Jerusalem mit DJ Asamoah – wegen depressiver Naidoo-Songs kippt die Stimmung ein wenig. Mit 5:5 geht es in die Kabinen.

Es folgt Livemusik von Helene Fischer, die versucht in einem schwarz-gelben Hummels-Trikot solidarisch zu wirken. In den Strophen wird sie ausgebuht, den Atemlos-Refrain singen dann doch alle mit. Die Höhner „Viva Poldonia“ und die Sportfreunde Stiller „ManU, München, Rosenheim“ besingen die Karrieren der Jungs gekonnt. Einmarsch der Gladiatoren, wieder von der Raab-Redaktion ausgedacht. Poldi reitet auf einem überdimensionalen Geisbock ins Rund, der Konfetti aus seinen Hörnern schießt, Schweini sitzt auf dem Rücken von DFB-Maskottchen Paule, der von der Hallendecke schwebt.

Anpfiff.

Miro Klose mit fünf Buden in acht Minuten, bis man ihm sagt, dass es kein offizielles Länderspiel ist und er wegen Salto-Schleudertrauma vom Feld muss.

Poldi setzt voll auf Spaß-Provokation, trägt erst eine Maske von Gomez, dann von Sarah Brandner. Schweini grätscht ihn zwei Mal herzlich um und knutscht ihn auf dem Boden ab. Für die Mourinho-Rolle schickt Poldi dann lieber Matze Knopp vor, der kurz darauf verletzt vom Feld muss. Götze weiterhin nur auf der Bank. Poldi bringt Felix Sturm, der Schweini in Manndeckung nimmt und ihm in einem Zweikampf die Wunde vom WM-Finale mit einer flotten Rechten verpasst. Elton und Raab spielen im Autoball-Auto mit, erzielen die Anschlusstreffer, ehe Tim Wiese die Autos mit dem kleinen Finger umwirft.

Als Schweini gleichzeitig Kahn und Lehmann in sein Tor stellt, droht die Lage zu eskalieren. Als Schlichter wird aber Neuer in die Mitte gestellt. Weil keine Tore fallen, werden alle drei gegen die Geissens ausgewechselt. Mit 15:15 geht es in die Pause. Götze immer noch auf der Bank. Halbzeitact: Rihanna. Eine Schauspielgruppe aus München stellt die Szene nach, als Schweini als Nachwuchskicker mit seiner Freundin in die Säbener Straße einstieg. Philosophen der Neuzeit analysieren im Mittelkreis die besten Poldi-Sprüche.

Zlatan Ibrahimovic spielt die schönste Tore der beiden nach, trifft jeweils immer noch schöner.

Die zweite Halbzeit beginnt, Poldi und Schweini haben ihre ehemaligen Trainer auf den Rasen geschickt, geben selbst von der Seite die Anweisungen. Poldis Team ist ein Mann weniger, weil Frank Schaefer sich noch bei den Sicherheitskräften ausweisen muss. Klinsmann trifft auf beiden Seiten vier Mal, tritt dann frustriert über seine Auswechselung alle Banden ein. Kurz vor Schluss steht es 29:29, als die beiden – jeweils für Mario Götze – ausgewechselt werden.

Ehrenrunden, Tränen, Sprechchöre, Lametta, Michael Hirte spielt „Time to say Goodbye.“ Im Stadion so viel Gänsehaut, dass sogar das Fernsebild leichte Störungen bekommt. Split-Screen, beide gehen in ihre Kabinen, wo die Liebsten warten. Poooooooldi. Schweiiiiiiiiiiini. Die Wechselgesänge hören einfach nicht auf. Kaum einer bemerkt, wie Mario Götze nach Flanke von Schürrle den Siegtreffer für beide Teams erzielt. Ein Denkwürdiger Abend geht zu Ende. Es hätte so schön sein können.


Von Thomas Poppe
(muss für „Michael Hirte spielt Time to say Goodbye“ mindestens 1.000 Euro in die Mannschaftskasse zahlen, Anm. d. Red.)

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