Thurn und Taxis im Interview | Teil 2

Vor dem Spiel Werder gegen Wolfsburg trafen wir Sky-Kommentatorenlegende Fritz von Thurn und Taxis. Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie geht es um seine markanten Sprüche, knallbunte Hosen und um sein distanziertes Verhältnis zu BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Teil 1: Über den perfekten Sportkommentator, negatives Feedback, Marcel Reif und Kopfgeld
Teil 3: Über außergewöhnlichen Torjubel, Pierre Emile Højbjerg und Kevin-Präänce Boateng, den Thurn-und-Taxis-Parodie-Account auf Twitter und seinen auslaufenden Vertrag bei Sky.


Es ist längst kein Geheimnis mehr – das „HUIUIUI“ ist eines Ihrer Markenzeichen. Wie kam es dazu?
Ja, ist so geworden. Ist so geworden. Vielleicht hab ich es eine Zeit lang auch ein bisschen gespielt…obwohl…nicht wirklich. Es ist einfach da. Ich versuche eher, nicht bei jeder guten Situation etwas Ähnliches zu machen, weil mir das selbst zu viel erscheint.

Glücklicherweise können Sie da gut variieren mit „Heieiei“, „Aiaiai“…
(Thurn und Taxis schmunzelt und imitiert sich kraftvoll selbst) HEIEIEIIII….wie auch immer. Ich versuche, es zu reduzieren. Manchmal passt es, manchmal nicht. Zu oft ist auch nicht gut. Es hat sich einfach so entwickelt.

Sie haben vor unserem Gespräch kurz mit Werder-Trainer Viktor Skripnik gesprochen. Über Aufstellung, Taktik und andere Dinge zum Spiel. Eine Ausnahme oder ist es häufiger der Fall, dass Sie die Unterhaltung mit den Trainern suchen?
Ja, wenn es sich ergibt, mache ich das ganz gerne mal. Es ist einfach gut und wichtig für mich, die Gedanken der Trainer zu kennen. Natürlich kann ich ein Spiel auch ohne eine solche Unterhaltung im Vorfeld lesen, aber ich bereite mich gerne bestmöglich vor. Mit Dieter Hecking habe ich auch schon telefoniert.

In Vorbereitung auf unser Interview sind wir schnell auf eine Geschichte aus dem Jahr 2009 gestoßen, bei der Sie mit Jürgen Klopp aneinander geraten sind. Darf man Fragen, wie ihr Verhältnis heute aussieht?
Also…wir haben ein sehr sachliches Verhältnis…

Thurn und Taxis wird in seiner Antwort unterbrochen von einem plötzlichen Hagelschauer. Laut prasselt der Regen an die Fensterscheibe, nachdem es wenige Minuten zuvor noch sonnig war. „Rudi Völler hat immer gesagt“, beginnt Thurn und Taxis mit einer Mini-Anekdote, „ohne Mütze hier in Bremen…diese Kälte…es ist furchtbar.“

Mit Jürgen Klopp war es so, dass wir uns sehr gut angenähert haben, als er aus Mainz nach Dortmund kam. Wir hatten viele Hintergrundgespräche, haben oft über taktische Dinge gesprochen. Aber dann es gab ein paar Spiele, wo Dortmund nicht so gut gespielt hat und ich habe das dann auch so gesagt. Das hat ihm nicht besonders gut gefallen. Für unser Verhältnis war das dann nicht ganz so ideal.

Angespannt war die Situation dann bei diesem Foul von Kevin-Prince Boateng an Miro Klose in München 2009. Ich meine, es war ein Foul. Franz Beckenbauer hatte es damals aus dem Studio heraus ähnlich gesehen. Und da war ich bisschen ungeschickt, das muss ich zugeben. Da habe ich am Ende des Spiels von einem abartigen Foul gesprochen, hab mich dafür aber entschuldigt. Eine dreiviertel Stunde nach dem Spiel stand Klopp dann in der Mixed-Zone, hat dort gehört, dass ich das so gesagt habe und Beckenbauer auch – und hat dann den Journalistenkollegen erklärt:

Nie mehr ein Hintergrundgespräch mit Thurn und Taxis. Solange ich lebe. Das können Sie ausrichten.

Das fand ich dann wieder nicht gut. Die ganze Geschichte ist unglücklich gelaufen. Ich hab dann zum damaligen BVB-Pressesprecher gesagt: Mensch, da hättest du mich gleich holen sollen, dann hätten wir das eben geklärt. Es hätte vielleicht kurz gekracht aber dann wärs weg gewesen. Wie auch immer – seitdem begrüßen wir uns und das wars.

Das heißt, mit Jürgen Klopp fallen die angesprochenen Taktikgespräche vor BVB-Spielen weg…
So ist es. Wir müssen auch nicht vor jedem Spiel sprechen. Ich kann das Spiel auch selbst lesen. Aber das war damals schon eine Riesengeschichte, die auch heute noch gern hervor geholt wird. Wenn ich beim Markus Lanz zu Gast bin, kommt das auch jedes Mal (lacht herzhaft).

Lanz ist ein gutes Stichwort. Gehen Sie gerne in Talkshows? Zuletzt waren Sie beim sport1-Doppelpass zu Gast. Gehen Sie gerne hin oder ist es für Sie eher eine Art Pflichttermin?
Nein, ich gehe gerne. Nicht so oft, aber wenn, dann mit viel Freude. Beim Lanz war ich jetzt häufiger, das sind immer ganz launige Runden. Vor allem, wenn der Calli dabei ist. Da muss man dann schon ein bisschen aufpassen, dass man seine Redeanteile bekommt (lacht). Ja und bei Sky90 oder im Doppelpass bin ich auch ab und zu.

Das war so herrlich…wo ich das vorletzte Mal dort war, da hatte ich eine grüne Hose an.

Da gab es ja auch ständig Bilder auf Twitter, haben Sie vielleicht gesehen. Da komm ich in die Maske rein, da war Rudi Völler und der hat gesagt: „Mensch, du ich hab auch so eine grüne Hose aber ich trauuu mich nicht.“ Da hab ich gesagt: Rudi, der Franz ist doch unser Trendsetter, der geht doch ständig in bunten Sachen durch die Gegend…also gut. Ich in der grünen Hose dort gesessen…in der ersten Werbeunterbrechung kommt die Aufnahmeleiterin und sagt zu mir: „Du, auf Twitter wird nur über deine grüne Hose gesprochen. Wir machen jetzt auch ein Bild und twittern, dass sie uns auch gefällt.“

Ja, wir waren auch schon ein wenig enttäuscht, als wir Sie heute mit einer Hose in beige-grau erwischt haben. Nun gut – wir würden gern ein kleines Spiel mit Ihnen spielen. Und zwar bekommen Sie Zitate vorgelesen und Sie müssen erraten, ob diese von Ihnen selbst stammen oder nicht. Los gehts: Prödl stand im Strafraum, sein Bein außerhalb.
Jaja, das war ich. Das war im Frankfurt-Spiel. Ja gut…wir sprechen live. Passiert mal. Klingt schon komisch. Im Übrigen: die beige-graue Hose ist Pflicht bei unserer Sky-Uniform. Sonst würde ich es nicht tragen. Aber Geschmackssache ist nicht zu diskutieren, wie wir wissen.

Ich bin aus dem Flugzeug ausgestiegen und dachte: das kann nicht wahr sein: Sonne.
Jaja, das war ich auch. Da weiß ich nicht, bei welchem Spiel. Ich  bin jemand, der atmosphärisch einstimmen will. Verzeihen Sie, wenn ich das so sage aber – den jungen Leuten sage ich immer: Leute, es wird nichts aufgeschrieben. Ihr reagiert einfach auf das, was ihr da seht. Wenn da gerade Schneesturm ist, dann sehen die Leute das doch auch. Da fängt man nicht an mit Statistiken. Man will die Zuschauer ja irgendwie reinholen und dazu braucht es Atmosphäre. Der Zuschauer soll sagen: Mensch, da möchte ich jetzt bleiben.

Alle dachten, es wird ein Spaziergang. Wie bei einem Bierfest.
Bierfest? Joa…Spaziergang könnte schon sein, aber Bierfest… nein. Bierfest ist nicht mein Ausdruck.

Völlig richtig. Kollege Béla Réthy wars. Was ist mit dem hier – Leverkusen auf Platz drei, ich will nicht sagen abgestürzt aber doch schmerzhaft zurückgefallen.
Ja, das kann ich sein (lacht).

Götze 4:0. Bisschen was zum Schmatzen.
Ne, das bin ich nicht. Reif?

Reif. Zwei haben wir noch: Ich will nicht sagen, er will sich entschuldigen, aber er will sicher sagen: es tut mir leid.
Jaja, ich weiß sogar, was es war. Werder in Frankfurt. Seferovic gegen Wolf. Ich war ja früher Torhüter, ich konzentrier mich immer sofort auf die Torhüter, wenn es da brenzlige Szenen gibt.

Letztes Zitat, fast schon ein Klassiker: Ja, die große Zehe, was ist denn mit der los? Die wird ständig behandelt und wird nicht besser. Ich hab schon gesagt: ja, dann muss man sie abschneiden.
Ok das ist vielleicht zu viel des Guten. Ich habe zum Ende der Rückrunde drei Spiele von Hertha kommentiert. Und da ging es um den Tolga Ciğerci, der monatelang wegen dieser Zehe außer Gefecht war. Da habe ich das ein bisschen verfolgt und dann diesen Spruch gebracht.

Wir haben jetzt ein kleines Geschenk für Sie – und zwar haben wir seit unserer Gründung im Januar 2014 jedes Spiel von Ihnen geschaut und Ihnen aufmerksam zugehört. Hier in dieser Mappe finden Sie quasi sämtliche FUMS-Arbeitsnachweise mit Ihren besten Sprüchen…
(Thurn und Taxis freut sich sichtlich) Neeeein. Das ist ja…(lacht und beginnt, die Mappe durchzublättern) Das ist sehr nett. Vielen Dank.

Darüber hinaus hätten wir hier noch einen Thurn-und-Taxis-Arbeitsnachweis für das Spiel Werder gegen Wolfsburg. Dort sind allerdings noch viele Felder leer, wir haben uns die Freiheit genommen, vorab nur wenige Felder auszufüllen. Unter anderem finden Sie dort „Der stolze Theodorrr“ und Lukimyas „Körrrrper aus Staaaahl“, aber auch unseren Leitsatz „FUSSBALL MACHT SPASS“ – das lässt sich ja eigentlich zu vielen Gelegenheiten sagen. Vielleicht ergibt es sich ja im Spiel…
Okay, jaja, das wird vielleicht ein Spiel sein, wo man auch viel Spass haben wird. Die Bedingungen sind ja sehr gut.

Als es beim Spiel Werder vs. Wolfsburg wenige Stunden später nach nur zehn Minuten 1:1 steht und Thurn und Taxis schon von Lukimyas Körper aus Stahl gesprochen hatte, fallen dann auch folgende Sätze: „Zwei schnelle Tore – was will das Fussballherz mehr. Fussball macht Spass. Das sieht man hier auch heute Nachmittag schon in dieser Anfangsphase im Weserstadion wieder sehr deutlich.“


Interview: Cord Sauer

2015-03-01 15.06.53

TT blättert in der Mappe mit den FUMS-Arbeitsnachweisen

 

Ein Blick auf das halb-ausgefüllte FUMS-Bingo vor Werder-Wolfsburg.

 

 

 

 

 

FUMS

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