Fähr- und Taxifahrten bei 30 Grad

Gefühlt sind alle – wirklich ALLE Sportjournalisten Deutschlands in diesen Tagen in Brasilien, um möglichst live, echt, hautnah etc. von der Weltmeisterschaft zu berichten. Cord Sauer ist hier geblieben. Keiner wollte ihm diese Reise bezahlen und FUMS – das Magazin für Fussball und Humor, ist auch finanziell, sammerma…einfach au noch nicht soweit. Dennoch – einen Grund, KEIN WM-Tagebuch zu schreiben, hat er (ohne großartig danach zu suchen…) nicht gefunden. Auch von Deutschland aus lässt sich live vor Ort berichten über Fähr- und Taxifahrten, falsch herumhängende Flaggen und über Temperaturen weit über 30 Grad.


7. Juni 2014: Es geht los. Abreisetag in Deutschland. Gemeinsam mit den Kollegen Delling, Opdenhövel und Scholli, mit KMH, Réthy und Olli sowie zahlreichen Schreiberlingen von BILD, stern, Spiegel, RP, AZ, BZ, NWZ, H&M, C&A, DLRG, MfG etc. beginnt meine WM-Reise. Wir fliegen mit der Fanhansa. Im vorderen Teil der Maschine die Nationalelf, im hinteren Teil – wir. Ich frage mich, ob Schweini, Poldi und Co. ähnlich wenig Beinfreiheit haben wie ich…

beinfreiheit

Mit 15 Stunden ist es mein längster Flug ever. Ohnehin war ich noch nie in Brasilien. Zwischenzeitlich kämpfe ich mich durch den Flugzeugkorridor nach vorne, vorbei an Schweini, Poldi und Co., die gerade Selfies ohne Ende machen. Mit Roman Irgendwerfeller und Shkoasdajfabasls Mustafi. Ich husche unauffällig vorbei, dringe ins Cockpit ein und frage den Piloten, ob ein Tempopilot nicht auch was für Jogi Löw wäre. Der Pilot (fliegt ohne Autopilot) sagt: „Ja.“

tempopilot

8. Juni 2014: In den frühen Morgenstunden erreichen wir das gelobte Fussballland. Mit der schon jetzt berühmten Fähre setzen wir rüber zur deutschen Insel.

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Mit dem Bus geht es weiter. Wenig später bleibt der Bus liegen. Über einige wenige Umwege kommen wir endlich an. Hier ist es also. Das Campo Bahia. Sieht auf den ersten Blick aus, als wäre es gerade fertig geworden. Gute Arbeit, Oliver Bierhoff.

campo

9. Juni 2014: Es ist knülleheiß in Brasilien. Alle Journalistenkollegen haben ihre kurzen Hosen ausgepackt. Nur Kahn rennt weiter im anthrazitgrauen Anzug rum. Titan, Titan – bei jedem Wetter. Das Thermometer pendelt zwischen 30 und 40 Grad, ab und zu mal ein ordentliches Wärmegewitter bleibt nicht aus. Der Strand ist jedenfalls ein Traum. Könnte auch die nächsten vier Wochen meine Füße ins Wasser halten. Aber wird ja noch Fussball gespielt…

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10. Juni 2014: Was für eine grandiose Stimmung hier. Überall flattern Flaggen im Wind. Oder Flügel an Schuhen. Autos sind sowieso geschmückt aber selbst in irgendwelchen hinteren Büro-Räumen wird schnell erkennbar: Hier steigt das Fest des Jahres.

 

stecker                                                wings

11. Juni 2014: Ich lerne Carlos kennen. Mein Taxifahrer. Unfassbar, wie viele Informationen in eine 20-minütige Fahrt passen. Carlos erzählt ohne Punkt und Komma. Ich erfahre jede Menge über Land und Leute. Carlos liebt sein Land. Nutzt aber auch jede Gelegenheit, um über die Politik und die Regierung zu schimpfen. Der Verkehr hier ist eine Katastrophe. Carlos ist trotzdem entspannt. Ich irgendwie auch.
carlos

12. Juni 2014: Högschde Sicherheit. Hubschrauber der Polizei und des ADAC überwachen das Training der deutschen Nationalmannschaft. Während die Deutschen sich auf ihr Spiel gegen Portugal am Montag vorbereiten, mache ich mich auf zum Eröffnungsspiel. Brasilien vs. Kroatien. Taxifahrer Carlos hatte keine Zeit, ich nehme die S-Bahn. Im Stadion treffe ich auf der Pressetribüne Ailton. Gemeinsam gucken wir das Spiel. Ailton ist enttäuscht, dass er nicht in der Startelf der Brasilianer steht: „Ailton auswechseln – immer Fehler. Ailton Tor, alles gut.“
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Das Spiel zwischen Brasilien und Kroatien endet 3:1. Bin gespannt, was mich die nächsten Tage hier erwartet…

 

Cord Sauer

"Jeder Tag, an dem Fußball gespielt wird, ist schön." (Stefan Effenberg)

Noch besser wird es hier...