Tuchel muss gehen und keiner weiß, warum

Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Die Nachricht kam ähnlich überraschend wie das Amen in der Kirche. Tuchel, der Trainer-Messias, auf der einen Seite – und Watzke als BVB- (End-) Boss auf der anderen. Nach nur zwei Jahren ist Schluss. Es ist die vielleicht undurchsichtigste und am wenigsten nachvollziehbare Trainertrennung der Bundesliga-Geschichte, findet FUMS-Gastautor Sven Hanke.


Trotz massiver Widrigkeiten durch Spieler-Abgänge, einer Vielzahl von Verletzungen und nicht zuletzt des Bombenanschlags auf den Mannschaftsbus im April wurden alle gesteckten Ziele des BVB erreicht – wenn nicht gar übertroffen. Erster Titel seit fünf Jahren, direkte CL-Quali, sportlich also alles paletti in schwarz-gelb. Sollte man zumindest meinen.

Dass es allerdings neben dem Platz immer mal wieder zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein muss, dürften selbst die Bambinis der BVB-Krabbelgruppe (Gibts sowas da? Bestimmt…) mitbekommen haben. Tuchel vs. Watzke – wer hier Eva und wer böse Schlange war, ist für uns Fans kaum festzumachen. Zumindest der Eindruck, dass beide nicht immer mit fairen Mitteln gespielt haben, bleibt.

Watzke, Tuchel und die Frage: Wann spielt der BVB gegen Monaco?

Vor allem der sehr öffentlich gewordene Meinungsverschiedenheit zum Thema Spielansetzung #BVBASM nach dem grausamen Bus-Attentat ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht haben muss. Die von Tuchel diskreditierten „internen Quellen“ beschreiben, dass Watzke Tuchel damals eine Spielverlegung angeboten habe, dieser lehnte jedoch ohne Rücksprache mit der Mannschaft ab.

Von publik gewordenen Streitigkeiten mit Chefscout Mislintat über die Kaderplanung und Transfers, bei denen Tuchel „erst spät involviert worden sei“, bis hin zur Veröffentlichung des „Dissens-Interviews“ am 6-Punkte-Spieltag gegen Hoffenheim ging es zu wie bei Big Brother. Die Öffentlichkeit war immer dabei. Befeuert von beiden Parteien. Die Floskel klingt im BVB-Kontext fast schon zu abgedroschen, sie passt allerdings heute besser dennje: Echte Hassliebe.

Kommt jetzt Lucien Favre?

Natürlich macht sich Aki Watzke nun äußerst unpopulär, indem er den punktbesten BVB-Trainer aller Zeiten (!) nach dem Gewinn des DFB-Pokals und einer Rekord-Heimserie entlässt. Der Nachfolger (Spoiler: Peter Neururer wird’s nicht, Lothar Matthäus eher auch raus) wird sich das sportliche Standing erstmal erarbeiten müssen. Auch, wenn der aktuell in den Medien gehandelte Lucien Favre übernehmen sollte.

Und wie laut werden die Rufe nach Tuchel erst, wenn der neue Übungsleiter nicht liefert? So richtig unschuldig in dieser modernen Posse, der bemerkenswertesten in der Bundesliga-Geschichte, ist offensichtlich niemand. Am Ende verlieren alle. Tuchel, Watzke, der Klub, die Fans. Wird jetzt schon, nur wenige Tage nach Saisonende, wieder dringend Zeit, dass es schnell wieder sportlich wird. Nur noch 80 Tage, bis die Bundesliga wieder startet….


Von Sven Hanke


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