Danke, Ryan Giggs!

Die Meldung kam nüchtern daher, hatte sie sich doch zuletzt ohnehin stark angedeutet. Wahrhaben wollte ich sie dennoch nicht. Ryan Joseph Giggs beendet seine Karriere. Eine Hommage von Cord Sauer. Melancholie nicht ausgeschlossen.

Ich vergesse alles um mich herum. Blende aus, wo ich gerade bin, was ich gerade mache. Mein Blick – plötzlich so leer. Ich denke zurück. An all die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebten. Vor dem Fernseher. Auf YouTube. An der Spielkonsole. Ich bekomme Gänsehaut. Dann finde ich langsam wieder zu mir. Ryan Giggs, Idol meiner Jugend. Ryan Giggs spielt nicht mehr.

Als Giggs 1990 sein erstes Spiel als Profi machte, war ich gerade zwei Jahre alt. Zugegeben, damals war mir das Debüt des Walisers herzlich egal. Doch je älter ich wurde, desto öfter blickte ich zu ihm auf. Meine erste große Liebe? Klingt vielleicht ein bisschen zu dramatisch. Aber so in etwa könnte man es beschreiben. Meine Liebe zum Fussball habe ich dank Ryan Giggs entdeckt.

Feared by the Blues, Loved by the Reds
Und zwar spätestens 1999. In einem denkwürdigen CL-Finale bezwang Manchester United in der Nachspielzeit die Münchner Bayern. Ein unfassbares Spiel. Mein bester Freund war von diesem Tag an United-Fan. Und ich irgendwie auch. Über das Filesharing-Programm Kazaa zogen wir uns Songs und Fangesänge der Red Devils. Glory Glory Man United. Und plötzlich tönte der Ryan-Giggs-Song durch die Lautsprecher:

Ryan Giggs, Ryan Giggs,
Running down the wing,
Ryan Giggs, Ryan Giggs,
Running down the wing,

Feared by the Blues,
Loved by the Reds,
Ryan Giggs, Ryan Giggs, Ryan Giggs!
(Hier gehts zum Song!)

Fangesang. Ohrwurm. Hymne. Wenn ich den Giggs-Song höre, sehe ich stets die gleichen Bilder. FA-Cup-Halbfinale gegen Arsenal. Ebenfalls 1999. Nach einem Fehlpass schnappt sich Giggs die Kugel und marschiert aus der eigenen Hälfte bis zum Straftraum. Sechs Gegenspieler lässt er stehen und drischt das Leder in die Maschen. Einfach so. Pures Ecstasy für einen 11-Jährigen. Und auch heute noch schaue ich mir dieses Tor an. Auch heute noch kriege ich leuchtende Augen. (Das Video gibt es auf www.fussballmachtspass.de oder hier)

Dieses Tor werde ich ebenso wenig vergessen wie den anschließenden Jubel, als er sich wie ein Besessener das Trikot vom Leib riss, dem Publikum seine behaarte Brust entgegen streckte und in noch schnellerem Tempo in Richtung Trainerbank lief. Heute ist das nicht mehr möglich.

Schaue ich heute auf Ryan Giggs, sehe ich einen Mann mit grauen Koteletten und grauem Dreitagebart. „Wie können Sie mit 40 Jahren noch so fit sein?“, fragte ihn ein Reporter am Rande des CL-Spiels zwischen Manchester und Leverkusen im November 2013. Giggs antwortete: „Ich lasse einfach die anderen laufen.“ Ein Satz, der nun mehr gilt denn je. Danke, Ryan Giggs. Für alles.

Von Cord Sauer

 (Foto: mutd.org/ryan-giggs-wallpaper-hd-2013-3/)

 

 

 

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