Kommentar: Vertrag ist Vertrag

Seit gestern steht es fest: Nach fünf Jahren gehen Mainz 05 und Thomas Tuchel getrennte Wege. Seinen bis Juni 2015 laufenden Vertrag wird Tuchel nicht erfüllen. Mainz hingegen wird den Vertag auch nicht auflösen. Was nach außen hin weitestgehend friedlich kommuniziert wurde, dürfte intern für einen großen Knall gesorgt haben. Wie geht es nach diesem Eklat nun weiter? Ein Kommentar von Michael Runge.

Thomas Tuchel erklärte sein Ende in Mainz als „persönlich notwendigen Schritt“. Nach fünf Jahren Trainertätigkeit habe er das Gefühl, er könne der Mannschaft nichts Neues mehr beibringen. Zum Amtsantritt 2009 sei es Tuchels Ziel gewesen, Mainz zu einer Top-Adresse für U21-Spieler zu entwickeln. Das ist ihm zweifelsfrei gelungen. Dennoch: Sein Abgang hat einen mehr als faden Beigeschmack. Wie herauskam, verhandelte er zuletzt mit Vertretern von Schalke 04 und Bayer Leverkusen.

Natürlich, das Fussballgeschäft von heute lebt davon, dass Spieler und auch Trainer stets nach neuen Aufgaben suchen. Aber: Wenn jetzt auch noch Trainer anfangen, ihre Vereine vorzeitig zu verlassen, könnte das fatale Folgen für die Zukunft haben. Langfristige Planungen, ausgerichtet an der Identifikationsfigur Trainer, wären faktisch unmöglich. Dass nun gerade der sympathische Tuchel seinem FSV den Rücken kehrt, verwundert. Die BILD-Zeitung bezeichnete ihn als Heuchler und spricht damit aus, was viele denken.

So oder so – das Ende von Thomas Tuchel bei den Rheinhessen ist besiegelt. Einzig offen bleibt die Frage, wie sich beide Seiten nun für das bevorstehende Jahr einigen. Unbezahlter Urlaub oder eine Alternativtätigkeit im Verein sind mögliche Lösungen

Mainz-Manager Christian Heidel predigte gestern auf der extra für die Causa Tuchel einberufenen Pressekonferenz wiederholend, dass er über den Menschen Tuchel nie schlechte Worte verlieren wird. Er könne dessen Entscheidung sogar nachvollziehen. Aber ebenso häufig repetierte Heidel jedoch auch, dass Verträge in Mainz eingehalten werden. Das ist stark!

Den Verantwortlichen bei Mainz 05 geht es nicht darum, für ihren Trainer eine hohe Ablöse eines anderen Vereins zu kassieren. Vielmehr wollen sie ein Zeichen setzen in diesem Präzedenzfall: Der Begriff „Vertrag“ muss auch in Zukunft Wertschätzung erhalten. Ein Vertrag ist kein unbedeutendes Blatt Papier.

Von Michael Runge

 

Cord Sauer

"Jeder Tag, an dem Fußball gespielt wird, ist schön." (Stefan Effenberg)

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