Im Interview: Frank Baumann

Beim 1. FC Nürnberg begann seine Profikarriere. Als er mit den Franken 1999 abstieg, wechselte er zu Werder Bremen und wurde zur grün-weißen Legende. Mit dem Double 2004 und dem DFB-Pokalsieg 2009 verabschiedete sich Frank Baumann (38) als langjähriger Werderkapitän und 28-facher Nationalspieler von seiner aktiven Profikarriere und wechselte ins Management. Zunächst als Assistenz von Klaus Allofs, später als Direktor für Profifussball und Scouting. 2015 nun soll Schluss sein, Baumann möchte sich neu orientieren. Mit FUMS sprach er über gefärbte Haare, auffällige Trainertypen und das Gerücht, dass er bald ein Restaurant eröffnet.

EIN INTERVIEW VON CORD SAUER

Interview Teil 1

Frank Baumann, wir steigen literarisch ein: liest du aktuell ein Buch?
Das ist mit ein Grund, weshalb ich mich dazu entschieden habe, im nächsten Jahr aufzuhören (lacht). Ich lese eigentlich gerne. Bücher, aber auch Zeitschriften oder Sportmagazine. Das ist aber definitiv in den letzten drei bis vier Jahren, in denen ich das jetzt hier mache, nicht so möglich gewesen. Im Urlaub gibt’s dann schon mal ein größeres Buch, aber während der Saison komme ich fast nicht dazu.

Sportkommentator Wolff Christoph Fuss hat kürzlich sein Buch und Hörbuch „Diese verrückten 90 Minuten“ veröffentlicht. Darin berichtet er unter anderem von seiner ersten Begegnung mit Louis van Gaal. Zitat:Da hockst du da als gestandener Fussballlehrer (…), der alles erlebt hat und plötzlich sitzt dir in der Mittagssonne (…) ein Pfiffi gegenüber, von dem du noch nie zuvor gehört hast und der mit dir über Fussball reden will.“ Erkennst du dich da ein bisschen wieder?
Ich finde es eher problematisch, dass ich hier mit Louis van Gaal verglichen werde (lacht). Nein – also, das kommt relativ selten vor. Erstens gebe ich ja in letzter Zeit eher wenig Interviews weil es bei uns so verteilt ist, dass Thomas Eichin in der Regel nach außen kommuniziert und wenn es denn mal vorkommt, dann wissen die meisten schon, wovon sie sprechen. Da sind eigentlich nie so richtige Anfänger bei. Ob es letztendlich große Fussballfachleute sind oder sein müssen, sei jetzt mal dahin gestellt.

Wo nun schon der Name Louis van Gaal gefallen ist – stehen Trainer heute mehr im Fokus als früher? Sind Trainer heute mehr Entertainer, Konzeptverfechter, Schutzschild für ihr Team und bieten demnach auch eine größere Angriffsfläche?
Also ich glaube nicht, dass es ein Trend ist, der jetzt flächendeckend kommen wird. Es gab immer unterschiedliche Typen im Trainerbereich. Das kann man aber auf jeden anderen Bereich auch übertragen. Damals gab es auch einen…(überlegt kurz) Dragoslav Stepanovic, der ja auch bisschen extrovertierter war als vielleicht ein…

…Frank Baumann?
(schmunzelt) Weiß ich nicht. Otto Rehhagel war auf seine Weise ja auch ein Typ. Das gibt es heute immer noch. Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, gibt es eben mal einen Jürgen Klopp oder einen Thomas Tuchel. Aber es gibt halt auch einen Heynckes oder einen Guardiola. Das sind zwar auch Typen, die haben Ausstrahlung – aber das sind keine Showmenschen. Das ist letztendlich entscheidend. Deshalb haben Trainer wie Tuchel, Heynckes, Klopp oder Guardiola Erfolg, weil einfach die Qualität als Fussballlehrer passt. Dazu gehört das Fachliche, aber eben auch der Umgang mit den Medien, mit der Mannschaft und so weiter. Das sind die entscheidenden Kriterien und die setzen sich durch.

Den Führerschein zu verlieren ist nicht das Schlimmste auf der Welt

Gehört zu diesen Kriterien auch, dass Trainer 24 Stunden am Tag Vorbild sein müssen? Nachdem Bundestrainer Löw seinen Führerschein abgeben musste, ist da ja eine kleine Diskussion entbrannt…
Natürlich hat ein Trainer eine gewisse Vorbildfunktion aber das hat jede andere Person in verantwortungsvoller Position wie zum Beispiel die Bundeskanzlerin auch. Selbst die Spieler haben ja gewisse Vorbildfunktionen für Kinder. Trotzdem darf man doch mal Fehler machen. Also wenn man jetzt mal den Führerschein verliert, ist das für mich nicht das Schlimmste auf dieser Welt. Ist vielleicht eine schöne Geschichte jetzt vor der WM. Aber das sollte es dann auch gewesen sein.

Diese ganzen Störgeräusche um Löw, Großkreutz, der missglückte PR-Termin mit Mercedes – wie groß ist da der Einfluss auf das sportliche Abschneiden der Mannschaft?
Ich denke, dass diese Geschichten den Erfolg nicht beeinflussen. Weder positiv noch negativ. Kann natürlich mal passieren, wenn da irgendwo ein zerrüttetes Verhältnis ist zwischen Trainer und Mannschaft, dass das immer wieder von den Medien aufgebauscht wird und der Presse Nahrung gibt. Dann kann da sicher ein negativer Einfluss entstehen aber die Geschichten, die rund um die deutsche Nationalmannschaft passiert sind, beeinflussen den Erfolg glaube ich gar nicht.

Die Breite in der Spitze wird immer größer

Wer wird dieses Jahr Weltmeister?
Schwierig. Ich glaube, dass es noch nie so ausgeglichen war. Wie sagt man so schön…die Breite in der Spitze wird immer größer (lacht). Für mich ist kein Topfavorit dabei. Weder Brasilien, Spanien, Deutschland…natürlich sind das die Favoriten. Aber auch England, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Japan und viele andere auch.

Fussballer sind heute ausnahmslos Stars, von denen jede kleine Randgeschichte in der Presse aufgegriffen wird. Nun warst du zu deiner aktiven Zeit kein schillernder Star, sondern gehörtest eher zur Kategorie „wichtig aber unauffällig“. Hast du das genossen?
Ich wollte einfach nie durch irgendwelche Geschichten im Vordergrund stehen. Da wollte ich lieber auf dem Platz überzeugen. Allein durch die Tatsache, dass ich lange Kapitän war, stand ich immer irgendwie auch vorne mit dabei – wobei man da ja meistens dann gefordert ist, wenn es sportlich nicht so läuft. Aber das war absolut okay für mich. Ich genieße es noch heute, nicht diesen ganz hohen Bekanntheitsgrad zu haben.

Wenn wir über Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit reden, muss das Stichwort Frisuren fallen. Es gibt Profis, die haben jeden Monat eine neue und es gibt diejenigen, die sich während ihrer gesamten Karriere optisch kaum verändern. Javier Zanetti fällt einem da spontan ein. Und Frank Baumann…
(lacht) Also ich glaube, wenn ich ein paar alte Autogrammkarten hervor hole, dann…ja gut, da ist jetzt nichts Außergewöhnliches passiert, aber ein bisschen länger und lockiger waren die Haare schon mal.Kann mich auch an ein, zwei Jahre erinnern, wo sie wieder kürzer und angefärbt waren.

Angefärbt? Grün-orange zum Double-Sieg 2004…
Ja, das auch. Naja, ich hab zumindest nicht die Frisur gewechselt, um nach außen hin etwas darzustellen oder um aufzufallen.

Interview Teil 2

Wenn man deinen Namen durch die Suchmaschinen jagt, fällt zwangsläufig der Begriff Fussballfunktionär. Wie gefällt dir dieses Wort?
Das ist der zweite Grund, warum ich aufhöre (lacht). Ja, man denkt da vielleicht zunächst mal an Verbände – also ich habe mir diese Bezeichnung nicht selbst gegeben und es ist auch nichts, was ich mir jetzt auf meine Visitenkarte drucken würde.

Formulieren wir es also richtig: 2009 hast du in Bremen als Assistent der Geschäftsführung angefangen, bist nun seit 2013 Direktor für Profifussball und Scouting. Nächstes Jahr soll nun aber Schluss sein. Das kam für viele überraschend. War das lange so geplant oder was gab letztendlich den Ausschlag dafür, sich neu zu orientieren?
Ne, das war schon länger geplant, ohne dass ich ein konkretes Datum im Auge hatte. Aber von Anfang an, als ich die Assistentenrolle von Klaus Allofs angenommen hatte, habe ich gesagt, dass ich mir das ein paar Jahre vorstellen könnte, aber mich irgendwann gern auch in anderen Bereichen weiterzubilden. Ich glaube es ist immer gut, in einem Geschäft möglichst viele Bereiche kennenzulernen. Ein Bereich, in dem ich jetzt noch weniger gemacht habe, ist zum Beispiel der Trainerbereich. Da speziell im Jugendbereich etwas zu machen, könnte ich mir sehr gut vorstellen. Was nicht heißt, dass ich jetzt im nächsten Jahr irgendwo Trainer werde. Aber perspektivisch ist das schon vorstellbar.

Über deine Neuorientierung war außerdem zu lesen, dass du dir mehr Zeit für Familie, Garten – und vielleicht ein Restaurant nehmen willst…
(lacht) FUMS hat doch den Anspruch, humoristisch zu sein oder? Ich hoffe, dass das alle verstehen. Das war nur eine etwas launige Aufzählung meinerseits (kurze Pause) aber es wird definitiv nicht passieren, dass ich ein Restaurant aufmache.

Du hast gesagt, du bist prinzipiell offen für neue Ideen – wie wäre es denn mit einer kleinen Kolumne für das FUMS-Magazin? Karriere als Experte steht dir bestimmt gut…
Ja also…das Angebot freut mich. Vielen Dank dafür. Aber ich habe grundsätzlich erstmal beschlossen, eher etwas kürzer zu treten in dem Job. Und als Experte groß auftauchen ist eigentlich auch nichts für mich. Ich hatte gerade zur WM einige Angebote, habe aber alles abgelehnt.

Bitte vervollständigen

Der beste Fussballer, mit dem ich je zusammen gespielt habe, war…Johan Micoud.

Mein schlimmstes Erlebnis als Profi war…der letzte Spieltag 1998/1999 mit Nürnberg. Als Aufsteiger waren wir da am vorletzten Spieltag eigentlich schon gerettet, dann kam einiges zusammen und ja, kurz vor Schluss kann ich da das Ausgleichstor machen und wir sind durch. Leider mach ich das Tor nicht. Sowas prägt einen fast für das ganze Leben.

Nürnbergs Abstieg 2014 ist…sehr schade, weil man einen Schritt zurückgehen musste und nun wieder etwas Neues aufbauen muss. Am Ende haben sie einfach zu wenig Punkte geholt. Aber mittlerweile ist eine Kontinuität in der Vereinsführung vorhanden und der Verein ist gesund. Dürfte nicht lange dauern, bis sie wieder aufsteigen.

Deutschlands schönstes Ligastadion ist…das Weserstadion. Also definitiv am schönsten gelegen.

Deutschlands schönstes Ligastadion ohne grün-weiße Brille ist…
da würde ich sagen Dortmund und Hamburg (kurze Pause). Hamburg natürlich, weil wir mit Werder dort viele schöne Siege gefeiert haben.

Für eine WM in Katar 2022 spricht… wenn ich jetzt fies wäre, würde ich sagen: das Geld. Die Frage ist doch, wann findet das statt. Das ist ja wirklich schwer da im Sommer. Für die Spieler. Gut, man kann die Stadien runterkühlen. Trotzdem. Ich denke, so ein WM-Feeling macht auch eine WM aus. Die Begeisterung vor den Stadien und so weiter. Ob das dort zustande kommt, ist zu diskutieren. Katar ist zwar ein sportbegeistertes Land, aber es ist eben auch in der Wüste.

So richtig lachen kann ich über…gute Frage (denkt lange nach). Was ich gut finde, ist „Big Bang Theory“, mochte ich am Anfang gar nicht, schau ich aber mittlerweile sehr gerne.

Das FUMS-Magazin ist…jung, neu, innovativ.

Werbeaktion svw

Werder-Kampagne  mit Baumann, Schaaf und Micoud – 2004

 

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Wirfür4-Selfie mit FUMS-Redakteur Cord Sauer – 2014

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Autogrammkarte zu Nürnberger Zeiten – 1994


(Fotos: FUMS/ 1. FC Nürnberg/ Werder Bremen)

 

 

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