Der Ball rollt in Brasilien und Johannes Mittermeier schaut ganz genau hin. Wöchentlich hält er an dieser Stelle für FUMS seine Beobachtungen fest und arbeitet auf, was alle anderen Medien nicht schaffen. Er durchdringt die zugewucherten Sphären des alltäglichen WM-Wahnsinns und kämpft für stupide Wortspiele und flache Witze.
Frei nach dem Motto: „Jetzt gehts los in Brasilien. Ich glaube, Chelsea wird Weltmeister.“ (Verfasser unbekannt). W-Ähm…?!


FOLGE 1:
Morgen beginnt das Sommermärchen 2014. Schon jetzt steht fest: Es ist die WM der Wehwehchen und Wehleidigen
. Zu erster Gattung zählen die erlesenen, jedoch bandagierten Stars und Sternchen des Kontinentalarmdrückens am Zuckerhut. Zu letzterer zählt definitiv: Cristiano Ronaldo.

Sämtliche Großnationen (und Deutschland) ächzen unter der Malaise ihrer Leistungsträger: Louis van Gaal muss die Abkehr vom Voetbal total allein regeln, da sein Stro(ot)man unpässlich ist. Unbrauchbare Pässe schlagen wird auch Montolivo, was zur Folge hat, dass die Italiener einen anderen dubiosen Drahtzieher benötigen. Prognose: Kriegen sie hin. Russland fehlt der Kapitän, Belgien ein Erziehungsberechtigter, England das Verständnis für Fussball, und wozu das waidwunde Franckreich in der Lage ist, bleibt abzuwarten.

Was fällt vor Turnierstart noch auf? Stürmerstar Falcao verpasst die WM und Kolumbiens Staatspräsident trauert.  Verkehrte Welt dafür in Deutschland. Stürmerstar Kießling verpasst die WM, unseren Staatspräsidenten a.D. hingegen kümmerts nicht.  Stattdessen frönt der Wulff of Ballstreet seiner Eigenpropaganda. „Der Rücktritt war falsch“ – selten enthielt eine Dachzeile ähnlichen sarkastischen Touch. Findet auch Jogi Löw.

Jaja, das Haus – und Hofturnier des Blattersepp, es wird ein Wiegefest der Kulturen, eine Vereinigung der Völker, Rassen und Religionen, eine Einkehr des Kernressorts im begeisterungsfähigsten aller Fussballerländer. Brasilien wandelt sich zu einer schunkelnd-beseelten Nation, mit virulentem Fußball-Virus, der alles überstrahlt, und die FIFA hat es schon vorher gewusst. Natürlich.

Sogar die Europäische Zentralbank (EZB) leistet ihren Beitrag zum Weltereignis. Sie senkt den Leitzins in den Minusbereich, sodass die Reserve-Banken ihr Kapital nicht bunkern, sondern zum Aufwärmen an den Seitenrand schicken. Eine FIFA-Veranstaltung als Refinanzierungsfazilität – wie gewohnt.

Wie gewohnt wird auch in den südamerikanischen Dampfbädern der sportliche Aufguss ausgeführt. Die Masche kennt inzwischen jeder. Spanien spielt, wie Spanien eben spielt, nämlich vor und zurück und quer und vor und zurück und quer. Manchmal auch erst zurück, dann vor und dann erst quer, aber das wäre nun wirklich zu fachspezifisch. Irgendwann schießen sie den Ball auf‘s Tor. Möglicherweise.

Deutschland will indes auch so spielen wie Spanien. Weil Spanien immer gewinnt und Deutschland nie. Aber Deutschland hat Spieler wie Großkreutz, der zwar einen beneidenswerten Strahl besitzt, jedoch limitiert ist, wenn brenzlige Situationen gelöst werden müssen. Schade, dass BVB-Kollege Piss-Check kein Deutscher ist.

Nichtsdestotrotz geht der Bundes-Jogi zuversichtlich ins Turnier, beschwingt vom CL-Sieg seines Lieblings-Handballteams aus Flensburg. Nach zwölf dritten Plätzen am Stück hat Löw, sammermal, schon au keine Zeit zu verlieren, um den Titelthron zu erklimmen. Dafür muss seine Elf zackig in die Gänge kommen, doch unglücklicherweise wurde die Karosserie irreparabel beschädigt – Jogis Rolls Reus ist fahruntauglich. Um die Tränen zu trocknen, behilft sich der Coach mit: Tempo. Aber der Ausfall schmerzt. Er tat ni vea.

Von einem Lazarett will Löw dennoch nichts wissen. Wie auch – immerhin sind Abwehrrecke Mustafi und Tormann Weidenfehler einsatzfähig. Sollte Boateng seinen Schlendrian, Kroos seine Minderwertigkeitskomplexe am Geldautomaten und Özil seinen Özil abschütteln, hat die DFB-Auswahl eine reelle Chance gegen Klinsmän. With a little bit lucky sowieso.

So kitzelte meine persönliche Vorfreude am Klimax, als eine Schock – und Schreckensnachricht in Mark und Bein eruptierte. Jennifer Lopez singt nicht. Also: „Singt“ nicht, eh klar, aber ihr wisst, was ich meine. Ganz ehrlich, liebe Verehrer des prallen Runden – ohne J.Lo geht mir die WM am Arsch vorbei.

+++ UPDATE 11.06.2014 | 11.04 Uhr+++ WM doch nicht für’n Arsch. Die Lopez kommt doch. Mögen die Spiele beginnen+++